Susanne Rehm „Allzeit“, 2019–2020

In abgeschiedenen Räumen, über eine imaginäre Schwelle zu betreten, tauche ich in eine unbekannte Welt ein. Mit der Überwindung der Angst beginnt ein Prozess des Loslassens.

Es gibt keine Grenze, wo eine Durchlässigkeit, eine Transformation, eine Überschreitung sich andeutet. Ich trete ein in eine Atmosphäre, von der ich ergriffen werde, die mich gefangen hält und den Raum und die Dinge um mich herum in einem neuen Licht sehen lässt.

An diesen Orten ist Vergänglichkeit allgegenwärtig. Hier erscheint der Mensch auf verschiedene Weise entkörperlicht, indem Umrisse des Ichs verschwimmen und verschwinden. Bewegung durchdringt Raum und Zeit. Selbst fixiert, als nicht gelebtes Leben, ist die Spanne des Sichtbaren nur eine Frage der Zeit.…

Birgit Nitsch „Stiller Raum“, 2019/2022

Auf ihren Städtereisen entstand Birgit Nitschs Interesse an Kirchenräumen, deren Architekturen, Lichtstimmungen und deren Funktion als Inseln der Stille und Abgeschiedenheit. Zurück in Berlin begann sie eine systematische Untersuchung der vielen verschiedenen Kirchentypen ihrer Heimatstadt. Wie unterscheiden sich Licht- und Raumerfahrung in den Kirchen des Mittelalters, den Dorfkirchen, den Kirchen der Stadterweiterung, der Moderne, des Wiederaufbaus und Sühne bis zu den Neubauten der Gegenwart?…

Lydia Kotzan „Die Heimat wird eine andere sein.“

2021, Tableau: 60 × 40 cm und 27 × 40 cm, Fine Art Print: Hahnemühle Photo Rag

Meinen Großeltern wurde die Ausreise aus Polen nach Deutschland verweigert.

Jahrelang warteten sie in einem Land, in dem sie nicht mehr sein wollten. Eine Schleife aus unzähligen Anträgen, Hoffnung, gepackten Koffern und erneuten Absagen bestimmte acht Jahre ihres Lebens. Erst in den 70er-Jahren gelang ihnen die Ausreise in ein Land, das sie heute ihr Zuhause nennen. Die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat klingt noch heute an, wenngleich sie hier angekommen und glücklich sind.

Da ich die bewegende Geschichte bislang eher fragmentarisch erfahren habe, ließ ich mir in ihrem Wohnzimmer genauer und eingehender davon berichten. Die Fotografien zeigen meine persönlichen Assoziationen zu jenen »verzweifelten Jahren«.…

Anna Homburg „Kriegszeiten“

Vor mehr als einem Jahr ist in meinem Heimatland, der Ukraine, der Krieg offen ausgebrochen.
Schon 2014 hat der Krieg angefangen, jetzt herrscht er im gesamten Land.

Das Bildmaterial ist in der Ukraine, teilweise vor 2014 entstanden. Die Bilder beziehen sich auf Themen wie Beziehungen, Heimat, Familie.

Diese Arbeit ist ein Prozess der Verarbeitung und des Begreifens des Krieges durch den Akt der Zerstörung.…

Anna Homburg – CV

Anna Homburg wurde 1977 in der Ukraine geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Nach Abschluss eines Fremdsprachenstudiums in Ukraine studierte sie Fotografie in Berlin in der Fotoschule “Fotografie am Schiffbauerdamm” (Fas) heute „Ostkreuz Schule“ und “Neue Schule für Fotografie” bei Jörn Vanhöfen, Bertram Kober und bei Thomas Michalak am Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg.

Ausstellungen Auswahl

2023 „Kriegszeiten“ Monat der Fotografie off, Preis der Jury
2018 „Fremde Welten“ Künstlerhaus Bethanien, Berlin,Europäische Monat der Fotografie
2016 „Virtuelle Realität – Konsequenzen des Fliegens“ Darmstädter Tage der Fotografie, Museum Künstlerkolonie
2016 TULCA Festival of Visual Arts, Ireland
2016 CONTEMPORARY ART RUHR, Talent Foto-Special
2015 „Heimat X“ Kunsthaus Wiesbaden, Die 9. Wiesbadener Fototage
2014 „In and Out“ Europäische Monat der Fotografie, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
2013 Ausstellung “Fremde Heimat” Hauptbahnhöfe in Frankfurt am Main, München, Köln, Dresden, Berlin.…

Rainer Menke – CV

1954 in Westfalen, seit 1983 in Berlin. 2006 bis 2013 VHS Kreuzberg, Photocentrum am Wassertor. Ab 2014 Jahresklasse Thomas Michalak, ab 2016 Studium Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin, Klasse Thomas Zipp. Abschluss voraussichtlich Juli 2023. Lehrerinnen: Thomas Michalak, Norbert Bisky, Christoph Draeger, Sibylle Hoffmann, Tomasz Kowalski, Susan Paufler, Jan Roehl, Nora Schultz, Thomas Zipp.…

Lydia Kotzan – CV

Lydia Kotzan ist in der Nähe von Berlin geboren. Sie fühlt sich mit der Stadt, in der sie seit ihrem Studium lebt, sehr verbunden. Sie studierte Architektur und Architekturkommunikation. Die Fotografie begleitete sie dabei stets – sie veröffentlichte ihre Fotos in Architekturzeitschriften und machte Praktika bei Architekturfotografen.

Ihre fotografische Bildung vertieft sie in Projektkursen am Photocentrum Berlin, an der Ostkreuzschule für Fotografie und in der Fotoklasse von Thomas Michalak. Hier steht nicht die Architektur im Fokus, sondern persönliche Geschichten und Assoziationen.

Ausstellungen

2018 – NEBENEINANER – Kunstfestival 48h Neukölln – Zosse Berlin
2017 – REM – Kunstraum Bethanien Berlin
2017 – REM – Kunstfestival 48h Neukölln – Zosse Berlin
2017 – REM – Lange Nacht der Bilder – BLO Ateliers Berlin
2015 – NEBENEINANDER – SevenStarGallery Berlin

www.lydiakotzan.de

Karin Rasper – Still Life (2015-2017/18)

Die Wahrnehmung von Natur ist hochgradig geprägt von kulturellen Standards. Die Idee von der Schönheit der Natur ist dabei tief im kollektiven Bildgedächtnis verankert. Das Bedürfnis nach Schönheit, das wir in unsere Vorstellung von Natur projizieren, begegnet dort dem Schrecken über ihren gegenwärtigen Zustand. Die Ungewissheit ihres zukünftigen Bestands ist in der aktuellen Diskussion allgegenwärtig.

Im Spannungsfeld zwischen Schönheit und Schrecken hat das Stillleben in der europäischen Kunsttradition die Zerbrechlichkeit und Flüchtigkeit des Lebens thematisiert. Es ist dem Schrecken der Vergänglichkeit durch eine höchst sublime, gleichwohl hochgradig konventionalisierte Form seiner Darstellung begegnet. Dieser Ambivalenz habe ich versucht nachzuspüren, als ich die vielfach bedrohte, aber enorm widerstandsfähige Pflanzenwelt im ägäisch-mediterranen Raum im Detail betrachtet habe. Konventionen haben – nicht nur im Bereich der Bildauffassung – längst ihre Verbindlichkeit verloren und sind brüchig geworden.…

Birgit Nitsch – Der Nationalsozialistische Wald (2017/2018)

In ihrer Serie „Der nationalsozialistische Wald“ zeigt Birgit Nitsch ausschnitthafte Ansichten von Wäldern. Es handelt sich um Schwarz-Weiß-Fotografien.

Was sie beschäftigt, sind nicht die Wälder als eine Repräsentation von Natur, sondern der spezifische Ort und sein historischer Kontext. Die Wälder befinden sich alle in der Nähe von Konzentrationslagern, in denen Menschen gequält und getötet wurden. Die Wälder waren oftmals Schauplätze von Gewaltmärschen, Exekutionen, Flucht und gescheiterten Fluchtversuchen. Der Wald ist hier kein Bild ungebrochener Natur, sondern ein Ort gesellschaftlicher Ereignisse, die in ihrer Tragweite und tödlichen Konsequenz unerträglich sind.

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Inwieweit handelt es sich um ein Stimmungsbild, ein Psychogramm des Ortes und/oder um ein solches der Fotografin selbst? Zwar lässt sich eindeutig sagen, dass ihre Bilder nicht dokumentarisch sind, sie klären auf phänomenologischer Ebene erst einmal nichts auf, sie funktionieren nicht als Speicher von Bildinformationen.…

Karin Rasper – CV

Geboren in Berlin; Studium der Literatur- und Kunstwissenschaft; langjährige Berufstätigkeit im Kulturbereich.

Seit ca. 1980 erste intensivere Beschäftigung mit dem Medium Fotografie (ausschließlich in schwarz-weiß), zeitweise an der Werkstatt für Photographie Kreuzberg. Mit der Krise und dem Verschwinden der analogen Fotografie vorübergehend erlahmendes Interesse; der digitalen Fotografie begegnete ich zunächst mit großer Skepsis. 2008 Neubeginn mit der ersten Digitalkamera und seither wachsender Begeisterung über die neuen Möglichkeiten. Ganz plötzlich konnte ich auch die Farbe in der Fotografie akzeptieren. Ab 2012 fotografische Ausbildung am Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg bei Klaus W. Eisenlohr, Sibylle Hoffmann, Thomas Michalak u. a.

Gruppenausstellungen:

2020

CORONA ART, 10.–18.09.2020, Bank Austria Kunstforum Wien. Arbeiten von Michael Dietrich, Carlos Fernando Loeza Frías, Bernd Koller, Karin Rasper und Martina Stapf.…